Antike Möbel spiegeln das Lebensgefühl ihrer Entstehungszeit wieder. Die verschiedenen Stile werden deshalb in erster Linie nach historischen Epochen eingeteilt, in zweiter Linie nach der geografischen Verbreitung.
Renaissance
Die Möbel der Renaissance (1500-1600) wirken massig und breit gelagert, die Horizontale wird betont, die Linien sind streng geführt. Schränke und Truhen sind wie Fassaden von Gebäuden gestaltet, mit Fenstern, Giebeln, Gesimsen, Säulen und Kapitellen. Wegen ihrer Größe sind sie kaum noch in Wohnungen zu finden, sondern nur noch in Schlössern oder in grosszügigen Hotel-Lobbys.
Barock
Der Barock (ca. 1600-1770) war eine sinnenfreudige, lebenslustige Zeit. Bei den Möbeln herrschen folglich bewegte Formen, Prunk und Theatralik vor. Sie wirken zwar immer noch schwer und wuchtig wie in der Renaissance, die klaren Linien werden aber durch geschwungene abgelöst. Barockmöbel drücken die verschwenderische Haltung der absolutistischen Monarchen und des Adelsstandes aus, repräsentierten Machtanspruch und höfisches Zeremoniell.
Style Régence
In die Übergangszeit vom Hoch- zum Spätbarock fällt der französische Style Régence (1715-1730), benannt nach der Regentschaft des Herzog Philipp von Orléans nach dem Tod des Sonnenkönigs Louis XI. Die Möbel verlieren ihren repräsentativen, zeremoniellen Charakter und werden "privater“, was sich z.B. in den immer stärker geschwungenen Stuhlbeinen zeigt.
Rokoko oder Louis Quinze
Rokokomöbel (ca. 1700-1760) sind leichter und spielerischer als die Möbel des Barock, die Ornamentik filigraner. Konstruktionselemente wie z.B. Stuhlbeine, Sitz und Lehne sind nicht mehr streng gegliedert, sondern gehen in ein organisches Ganzes über.
Klassizismus
Nach der französischen Revolution erhielt das Bürgertum in ganz Europa mehr Einfluss. Die überladene Ornamentik des Barock und die Asymmetrie des Rokoko wichen einem schlichteren Möbelstil, der sich von den aristokratischen Prunkmöbeln abhob. Die Formen wurden harmonischer, die Massverhältnisse einfacher, der Schmuck zurückhaltender. Die Vorbilder dazu fanden sich in der Architektur der Antike. Im Gegensatz zur Renaissance war der Klassizismus (ca. 1770-1848) jedoch sparsamer im Umgang mit antiken Ornamenten.
In den Ländern Europas prägten sich verschiedene Varianten aus:
Louis Seize
In Frankreich beginnt der Klassizismus mit dem Stil Louis Seize (1774-1792), benannt nach Louis XVI. Die Möbel besitzen nun geradlinige, geometrische Formen, nicht mehr asymmetrische oder geschwungene. Die einzelnen Konstruktionsglieder sind wieder als getrennte Einheiten sichtbar.
Zopf-Stil
In Deutschland bildete sich mit dem Zopf-Stil (1760-1790) ebenfalls ein früher klassizistischer Stil aus. Er etablierte sich zuerst an den Höfen, war aber schlichter als der französische Louis Seize. Benannt ist er nach den "Zopfträgern“ (den Adligen), oder nach dem oft vorkommenden Zopf-Ornament.
Empire-Stil
Mit Napoleon beginnt die zweite Phase des Klassizismus. Der Empire-Stil (1799-1815) repräsentiert die neue, napoleonische Staatsmacht, Vorbild ist die römische Kaiserzeit.
Regency Style
In England prägt sich der Klassizismus unter der Regentschaft von George, Prince of Wales, zum Regency Style (ca. 1800-1830) aus. Klarheit und Reinheit, Funktionalität und Nützlichkeit sind seine Maximen. Wie in anderen europäischen Ländern werden Strukturen und Ornamente aus der antiken Baukunst übernommen.
Biedermeier
Der Biedermeier (1815-1848), eine spätere Form des Klassizismus, trat vor allem in Deutschland, Österreich und Skandinavien auf. Er ist praktisch, häuslich und dem bürgerlichen Lebensstil angepasst. Das Biedermeier-Zimmer diente nicht mehr der Repräsentation, sondern dem familiären Zusammenleben.
Historismus
Im 19. Jahrhundert, besonders in dessen zweiten Hälfte, wurden häufig Stile aus vorangegangenen Epochen imitiert. Unter dem Begriff "Historismus“ werden vor allem der Neo-Rokoko (1850-1870), die Neo-Gotik und Neo-Renaissance (1870-1900) verstanden. In Frankreich entstand unter dem "Bürgerkönig“ Louis-Philippe bereits um 1830 ein "zweites Rokoko“. In Deutschland waren nach dem schlichten Biedermeier ab 1850 wieder prächtigere Möbel gefragt, mit denen das Bürgertum der "Gründerzeit“ seinen Reichtum zur Schau stellen konnte.
Sezessionsstil
Der Stil der Jahrhundertwende wird in Frankreich und Belgien "Art Nouveau“ genannt, in Österreich "Sezessionsstil“, in Italien "Stile Liberty“ und in Deutschland "Jugendstil“ (ca. 1895-1910). Sezessionsstilmöbel sollen das Gefühl von Jugend und Bewegung vermitteln. Inspiration bieten die Natur und die japanische Kunst. Der Sezessionsstil ist eine Gegenreaktion auf die als hässlich empfundene Industrialisierung und die Großstädte.
Art déco
Der erste Stil, der dem Lebensgefühl der Moderne entspricht, ist der Art Déco (ca. 1920-1940). Benannt ist er nach der "Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ in Paris 1925. Erstmals werden Möbel in Massenfabrikation hergestellt und Materialien wie Eisen und Plastik verwendet. Im Gegenzug steht Art Déco auch für qualitätsbewusste Handwerksarbeit und kostbare Materialien wie Elfenbein, Ebenholz, Bronze, Chagrinleder, verchromter Stahl und Edelmetalle.